Internationalized Domain Name (IDN)

Wenn dieses Bild angezeigt wird, ist Ihr Browser IDN-tauglich
Ein IDN (zu deutsch: internationalisierter Domainname) ist ein Domainname, der Buchstaben enthält, die in Domainnamen ursprünglich nicht erlaubt waren. So sollen IDNs z. B. 'ä', 'ö', 'ü' und 'ß' enthalten können.

Wenn Sie am rechten Bildschirmrand ein Bild mit einer Denkblase sehen, in der "Ööh... IDN?" steht, ist Ihr Browser IDN-tauglich. Mit einem IDN-tauglichen Browser sind Sie gewappnet, um auf Websites wie www.müller.de oder www.déjà.vu surfen zu können.

Wenn Ihr Browser keine Bilder darstellt, können Sie ihn auf IDN-Tauglichkeit testen, indem Sie versuchen die Seite http://ööh.idn.swznet.de/ aufzurufen.

Wozu mehr Buchstaben?

Die technischen Grundlagen des Internets wurden ursprünglich in englischsprachigen Ländern entwickelt. Daher sehen bis heute gültige Standards vor (z. B. RFC1035 von 1987), dass neben den 10 Ziffern und dem Minus-Zeichen lediglich die 26 Buchstaben des englischen Alphabets in Domainnamen verwendet werden können.

Für die meisten Deutschsprachler ist dies kein größeres Hindernis und sie behelfen sich mit 'ae', 'oe', 'ue' und 'ss'. Problematisch ist es allerdings in Gebieten, wo das dortige Alphabet sehr stark vom englischen abweicht (man denke z. B. an Asien). Mit IDNs soll diese Barriere durchbrochen werden.

Wie funktionieren IDNs?

Schematische Darstellung der Funktionsweise von IDN
Um internationalisierte Domainnamen zu ermöglichen, gibt es das IDNA-Verfahren (Internationalizing Domain Names in Applications). Dieses wird auf der Client-Seite eingesetzt, also bei Netzwerkprogrammen wie Browser oder Mailprogramm auf Ihrem Computer.

Wenn Sie einen internationalisierten Domainnamen in Ihr IDN-fähiges Programm eingeben, wandelt dieses die Adresse in eine kodierte Form um, den so genannten ACE-String (ACE steht für ASCII Compatible Encoding). Die Umwandlung geschieht durch zwei Verfahren, die Nameprep und Punycode heißen.

Dieser ACE-String wiederum besteht nur aus den 37 Zeichen, die seit jeher in Domainnamen erlaubt sind. So können internationalisierte Domainnamen nach der Umwandlung wie traditionelle Domainnamen behandelt werden. Die Server-Infrastruktur bedarf daher meist keiner Software-Updates, um IDN-tauglich zu sein.

Welche Zeichen sind mit IDNs möglich?

IDN setzt auf Unicode auf, einem Standard zur Kodierung aller auf der Welt gebräuchlichen Schriftzeichen. Daher sind grundsätzlich alle Zeichen möglich, die auch laut Unicode erlaubt sind, also tausende.

Allerdings werden durch das Nameprep-Verfahren Domainnamen normalisiert, bevor sie zum ACE-String umgewandelt werden. Bei der Normalisierung werden z. B. alle Großbuchstaben zu Kleinbuchstaben umgewandelt. Es macht also weiterhin keinen Unterschied, ob man Groß- oder Kleinbuchstaben bei Domainnamen eingibt.

Einen Sonderfall für Deutschsprachige bildet das 'ß'. Da dieses in Unicode äquivalent zu 'ss' ist, wird es ebenfalls bei der Normalisierung umgewandelt. Die Eingabe von www.straße.de ist also möglich, die Domain ist jedoch gleich www.strasse.de.

Vergabestellen von Domainnamen erlauben gewöhnlich nicht alle Unicode-Zeichen bei der Domainregistrierung. DENIC, Betreiber des .de-Namensraums, erlaubt 92 zusätzliche Zeichen.

Kann ich ohne IDN-tauglicher Software auf IDNs zugreifen?

Ja und zwar, indem Sie statt des internationalisierten Domainnamens direkt den ACE-String eingeben. Der ACE-String ist zwar etwas kompliziert aufgebaut (z. B. www.xn--mller-kva.de für www.müller.de), hilft aber gerade in der Übergangsphase, wo nicht jedes Netzwerkprogramm IDN-tauglich ist.

Den ACE-String können Sie beispielsweise mit diesem Webformular ermitteln:

Internationalisierte Domain:

Wer hat sich IDNs ausgedacht?

IDNs wurden von einer Arbeitsgruppe des IETF entwickelt, einer Non-Profit-Organisation zur Festlegung verschiedener Internetstandards. Im Gegensatz zu einigen "Insellösungen" zur Nutzung von mehr Buchstaben in Domainnamen, entsprechen IDNs daher weltweit gültigen Standards (RFCs 3490, 3491 und 3492).

Wie können Benutzer Buchstaben eingeben, die sie nicht auf ihrer Tastatur haben?

Screenshot von charmap.exe unter Windows XP
Das Problem ist nicht neu, seit geraumer Zeit unterstützen gängige Betriebssysteme den Benutzer, indem sie Profile zum Umschalten von Tastaturbelegungen oder Programme wie virtuelle Tastaturen oder Zeichentabellen anbieten. Unter Windows XP gibt es dazu z. B. charmap.exe.

Erwähnen sollte man auch, dass das Anklicken von Links oder Nutzung der Zwischenablage per Copy & Paste unter Systemen, die Unicode unterstützen, kein Problem darstellt.

Weblinks


Januar 2004, Matthäus Wander <mwander@swznet.de>
Oktober 2008 korrigiert